Beispiel für die Planung eines Kragarmregals

Ein Betrieb möchte sechs Meter lange Metallprofile lagern. Die Profile werden zu Bündeln zusammengefasst und sollen auf mehreren Lagerebenen eines Kragarmregals gelagert werden. Das maximale Gewicht der eingelagerten Ware beträgt 1.200 kg je Lagerebene.

Für die Planung des Kragarmregals müssen unter anderem folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie viele Regalständer werden benötigt?
  • Welches Achsmaß ist für das Lagergut geeignet?
  • Wie hoch ist die erforderliche Tragkraft je Kragarm?
  • Wo liegt der Lastschwerpunkt des Lagerguts?
  • Welche Armlänge wird benötigt?
  • Wie viele Lagerebenen sollen vorgesehen werden?
  • Wird das Regal manuell oder mit einem Stapler bedient?
  • Welche Hubhöhe erreicht der eingesetzte Stapler?
  • Ist eine Abrollsicherung erforderlich?
  • Welche Gesamtlast müssen die Regalständer aufnehmen?
  • Welche Lasten werden über die Regalständer in den Boden eingeleitet?

Beispiel: Achsmaß und erforderliche Armlast

In unserem Beispiel werden für die sechs Meter langen Metallprofile vier Regalständer vorgesehen. Die Ware soll gleichmäßig auf den vier Kragarmen einer Lagerebene aufliegen.

Wird ein Achsmaß von 1.500 mm gewählt, beträgt der Abstand zwischen den einzelnen Regalständern jeweils 1.500 mm. Bei einer Gesamtlänge des Lagerguts von 6.000 mm ergibt sich bei gleichmäßiger Anordnung an beiden Enden ein Warenüberstand von jeweils 750 mm.

Die Last von 1.200 kg je Lagerebene verteilt sich in diesem vereinfachten Beispiel gleichmäßig auf vier Kragarme:

1.200 kg ÷ 4 Kragarme = 300 kg je Kragarm

Jeder Kragarm muss somit für die erforderliche Belastung ausgelegt sein. In diesem Beispiel beträgt die rechnerische Last 300 kg je Arm.

Wichtig ist dabei, dass diese Betrachtung von einer gleichmäßigen Lastverteilung ausgeht. Die tatsächliche zulässige Armlast ist immer anhand der technischen Angaben des jeweiligen Regalsystems und des vorgegebenen Lastschwerpunkts zu bestimmen.

Was passiert bei einem größeren Achsmaß?

Wird der Abstand zwischen den Regalständern vergrößert, verändert sich auch die Lastverteilung auf die einzelnen Kragarme.

Bei einem Achsmaß von beispielsweise 1.700 mm steigt in unserem Planungsbeispiel die erforderliche Tragkraft eines Kragarms auf 340 kg.

Eine größere Feldbreite beziehungsweise ein größeres Achsmaß bedeutet daher nicht automatisch eine wirtschaftlichere Regalanlage. Zwar können unter Umständen weniger Regalständer benötigt werden, gleichzeitig müssen jedoch die einzelnen Kragarme entsprechend höher belastbar sein. Zusätzlich muss geprüft werden, ob das Lagergut zwischen den weiter auseinanderliegenden Auflagepunkten ausreichend formstabil bleibt und sich nicht unzulässig durchbiegt.

Bei der Planung sollte deshalb nicht allein versucht werden, die Anzahl der Regalständer zu reduzieren. Entscheidend ist ein wirtschaftliches Verhältnis zwischen Achsmaß, Anzahl der Ständer, erforderlicher Armlast und den Eigenschaften des Lagerguts.

Wie wird die erforderliche Tragkraft der Stützen bestimmt?

Neben den Kragarmen müssen auch die Regalstützen beziehungsweise Regalständer für die auftretenden Lasten ausreichend dimensioniert werden.

Ein wesentlicher Faktor ist die Anzahl der belasteten Kragarme beziehungsweise Lagerebenen, die an einer Stütze vorgesehen sind. Werden beispielsweise vier Lagerebenen mit jeweils 300 kg Armlast an einer Stütze belastet, wirken aus diesen vier Kragarmen rechnerisch insgesamt:

4 × 300 kg = 1.200 kg

Werden fünf Lagerebenen mit jeweils 300 kg Armlast vorgesehen, erhöht sich dieser Wert entsprechend auf:

5 × 300 kg = 1.500 kg

Die Anzahl der Lagerebenen hat damit einen direkten Einfluss auf die erforderliche Tragfähigkeit der Stütze. Für die endgültige Dimensionierung darf jedoch nicht ausschließlich die Summe der Armlasten betrachtet werden. Entscheidend sind die statischen Vorgaben und zulässigen Belastungen des jeweiligen Kragarmregals. Auch Regalhöhe, Anordnung der Kragarme sowie der Lastschwerpunkt müssen bei der Auslegung berücksichtigt werden.

Auch der Boden muss berücksichtigt werden

Die aufgenommenen Lasten werden über die Regalständer und Regalfüße in den Hallenboden eingeleitet. Mit zunehmender Anzahl der Lagerebenen und höherer Belastung steigt daher nicht nur die Beanspruchung der Regalständer, sondern auch die Belastung im Bereich der Aufstellfläche.

Bei der Planung eines Kragarmregals muss deshalb geprüft werden, ob der vorhandene Boden für die vorgesehenen Lasten und die erforderliche Verankerung geeignet ist. Die Anforderungen an Boden und Befestigung richten sich nach dem jeweiligen Regalsystem und den Herstellervorgaben.

Das Zusammenspiel entscheidet

Das Beispiel zeigt, warum bei der Planung eines Kragarmregals nicht nur eine einzelne Tragkraft betrachtet werden darf. Länge und Gewicht des Lagerguts, Achsmaß, Anzahl der Ständer, Armlast, Lastschwerpunkt, Anzahl der Lagerebenen, Ständerbelastung und Boden beeinflussen sich gegenseitig.

Ein größeres Achsmaß kann beispielsweise die Anzahl der benötigten Ständer reduzieren, gleichzeitig aber höhere Armlasten erforderlich machen. Mehr Lagerebenen verbessern die Nutzung der vorhandenen Raumhöhe, erhöhen jedoch die Belastung der Regalständer und des Bodens.

Ziel der Planung ist deshalb eine Kombination, bei der das Lagergut sicher aufgenommen wird und das Kragarmregal gleichzeitig technisch und wirtschaftlich sinnvoll dimensioniert ist.

Hinweis: Dieses Beispiel dient ausschließlich zur Veranschaulichung der grundlegenden Zusammenhänge bei der Planung eines Kragarmregals. Die endgültige Auslegung und zulässigen Tragfähigkeiten müssen immer anhand des konkreten Lagerguts, der tatsächlichen Lastverteilung und der statischen beziehungsweise technischen Vorgaben des jeweiligen Regalsystems bestimmt werden.

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