Kragarmregal nachträglich erweitern - was ist zu beachten?
Ein wesentlicher Vorteil modular aufgebauter Kragarmregale ist ihre Anpassungsfähigkeit. Verändert sich der Lagerbedarf, kann es je nach Regalsystem möglich sein, eine bestehende Anlage durch zusätzliche Regalfelder, weitere Kragarme oder zusätzliche Lagerebenen zu erweitern.
Eine Erweiterung sollte jedoch nicht ausschließlich danach beurteilt werden, ob die zusätzlichen Bauteile mechanisch an das vorhandene Regal passen. Auch Tragfähigkeit, Ständerlast, Lastverteilung und die statische Auslegung des vorhandenen Systems müssen berücksichtigt werden.
Welche Möglichkeiten gibt es, ein Kragarmregal zu erweitern?
Abhängig vom vorhandenen Regalsystem kommen unterschiedliche Erweiterungen infrage:
- zusätzliche Regalfelder
- weitere Kragarme
- zusätzliche Lagerebenen
- Änderung der Höhenposition vorhandener Arme bei Stecksystemen
- Ergänzung von Abrollsicherungen
- Erweiterung einer bestehenden Regalzeile
Welche Variante möglich ist, hängt vom vorhandenen Kragarmregal und seiner technischen Auslegung ab.
Kragarmregal durch zusätzliche Felder verlängern
Eine häufige Form der Erweiterung ist die Verlängerung einer bestehenden Regalzeile.
Steigt der Lagerbedarf, können bei modularen Systemen zusätzliche Felder ergänzt werden. Voraussetzung ist, dass die Erweiterung zum bestehenden System passt und die räumlichen sowie technischen Bedingungen dies zulassen.
Bereits bei der ursprünglichen Lagerplanung kann es sinnvoll sein, eine spätere Verlängerung der Regalzeile zu berücksichtigen. Freie Flächen am Ende der Anlage ermöglichen spätere Anpassungen wesentlich einfacher als ein vollständig verbauter Lagerbereich.
Zusätzliche Lagerebenen einbauen
Bei einem steigenden Lagerbedarf entsteht häufig der Wunsch, die vorhandene Regalhöhe besser auszunutzen.
Bei entsprechend ausgelegten modularen Systemen können zusätzliche Kragarme und damit weitere Lagerebenen möglich sein. Ob dies zulässig ist, hängt jedoch nicht nur davon ab, ob am Ständer noch freie Rasterpositionen vorhanden sind.
Mit jeder zusätzlichen Lagerebene können weitere Lasten auf den Regalständer wirken. Deshalb muss geprüft werden, ob die zulässige Ständer- beziehungsweise Gesamtlast eingehalten wird.
Ständerlast bei einer Erweiterung beachten
Die zulässige Belastung eines einzelnen Kragarms ist nur ein Teil der Betrachtung.
Werden beispielsweise zusätzliche Kragarme montiert, können zwar sämtliche einzelnen Arme innerhalb ihrer jeweiligen zulässigen Armlast belastet sein, gleichzeitig kann aber die Gesamtbelastung des Ständers steigen.
Deshalb müssen bei einer Erweiterung sowohl die zulässige Armlast als auch die Belastbarkeit der Ständerkonstruktion berücksichtigt werden.
Lastschwerpunkt nicht vergessen
Auch bei einer Erweiterung spielt der Lastschwerpunkt eine wichtige Rolle.
Je weiter der Schwerpunkt des Lagerguts vom Ständer entfernt liegt, desto stärker wird der Kragarm beansprucht. Werden im Zuge einer Erweiterung beispielsweise längere Kragarme oder Lagergüter mit anderen Abmessungen vorgesehen, darf deshalb nicht ausschließlich das Gewicht betrachtet werden.
Gewicht, Armlänge und Lage des Lastschwerpunkts müssen zur technischen Auslegung des Systems passen.
Zusätzliche Kragarme bei Stecksystemen
Bei Kragarmregalen mit Stecksystem lassen sich die Arme innerhalb des vorgesehenen Rasters häufig flexibel positionieren.
Dadurch können die Abstände zwischen den Lagerebenen an unterschiedliche Lagergüter angepasst werden. Bei geeigneter Systemauslegung kann es außerdem möglich sein, zusätzliche Kragarme einzubauen.
Vorher muss jedoch geklärt werden, ob die daraus entstehende zusätzliche Belastung für die vorhandenen Ständer zulässig ist.
Bei angeschweißten Armen bestehen andere Voraussetzungen
Kragarmregale mit fest angeschweißten Armen sind weniger flexibel. Die Position der vorhandenen Kragarme lässt sich nicht einfach verändern.
Eine nachträgliche Anpassung unterscheidet sich deshalb grundsätzlich von einem modularen Stecksystem. Vor Änderungen sollte geklärt werden, welche Möglichkeiten für das konkrete Regalsystem vorgesehen sind.
Erweiterung muss zum vorhandenen System passen
Bei älteren Kragarmregalen ist besonders darauf zu achten, dass neue Komponenten tatsächlich mit dem vorhandenen System kompatibel sind.
Hilfreich für die Identifikation sind beispielsweise:
- Hersteller
- Regalsystem und Typ
- Baujahr
- vorhandene technische Unterlagen
- Auftragsnummer
- Abmessungen der Ständer
- Abmessungen und Ausführung der Kragarme
- vorhandene Sicherungen
- Angaben zu Tragfähigkeiten
Bauteile verschiedener Hersteller oder unterschiedlicher Regalsysteme sollten nicht ohne technische Freigabe miteinander kombiniert werden.
Auch die Bodenverankerung berücksichtigen
Eine Erweiterung verändert möglicherweise nicht nur die Anzahl der Lagerplätze, sondern auch die auf die Konstruktion wirkenden Lasten.
Deshalb muss bei umfangreicheren Veränderungen auch berücksichtigt werden, ob Verankerung und vorhandener Boden für die vorgesehene Ausführung geeignet sind.
Dies gilt insbesondere dann, wenn eine bestehende Anlage deutlich erweitert oder die bisherige Nutzung verändert wird.
Reicht der vorhandene Bediengang nach der Erweiterung noch aus?
Bei einer Erweiterung wird häufig vor allem auf die zusätzliche Lagerkapazität geachtet. Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob der vorhandene Bedien- und Verkehrsraum weiterhin ausreichend ist.
Das ist besonders wichtig, wenn künftig längere oder größere Lagergüter eingelagert werden sollen.
Die notwendige Gangbreite hängt unter anderem von der Länge des Lagerguts, dem verwendeten Flurförderzeug, dessen Wenderadius und der Art der Einlagerung ab.
Änderungen des Lagerguts berücksichtigen
Nicht jede Erweiterung entsteht durch eine größere Menge desselben Lagerguts. Häufig verändert sich auch das Sortiment.
Werden zukünftig beispielsweise längere, schwerere oder tiefere Güter eingelagert, muss geprüft werden, ob das bestehende Kragarmregal für diese Anforderungen geeignet ist.
Zu berücksichtigen sind insbesondere:
- maximale Länge des Lagerguts
- Tiefe beziehungsweise Breite
- Gewicht
- erforderliche Armlänge
- Lastschwerpunkt
- Anzahl der notwendigen Auflagepunkte
- benötigte Lagerebenen
Eine Erweiterung der Lagerkapazität kann deshalb gleichzeitig eine neue technische Bewertung des Lagerkonzepts erforderlich machen.
Erweiterungsmöglichkeiten bereits bei der Erstplanung berücksichtigen
Wer bei der Anschaffung eines Kragarmregals bereits mit zukünftigem Wachstum rechnet, sollte mögliche Erweiterungen von Anfang an berücksichtigen.
Dazu gehören beispielsweise ausreichende freie Stellflächen für zusätzliche Regalfelder und eine Regalaufstellung, die eine spätere Verlängerung ermöglicht.
Auch Hallenhöhe, Bediengänge und Materialfluss sollten nicht ausschließlich für den momentanen Bedarf betrachtet werden.
Eine vorausschauende Planung kann spätere Umbauten deutlich vereinfachen.
Bestehende Anlage vor der Erweiterung dokumentieren
Vor einer Erweiterung ist es sinnvoll, die vorhandene Regalanlage genau zu erfassen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Anzahl der vorhandenen Felder
- Regalhöhe
- Anzahl und Position der Lagerebenen
- Armlängen
- Achsmaße beziehungsweise Ständerabstände
- vorhandene Tragfähigkeitsangaben
- Art der Bodenverankerung
- geplantes Lagergut
- vorhandenes Flurförderzeug
Mit diesen Informationen lässt sich besser beurteilen, welche Erweiterung technisch und räumlich sinnvoll ist.
Fazit: Kragarmregal-Erweiterungen technisch planen
Modulare Kragarmregale können häufig an einen wachsenden Lagerbedarf angepasst werden. Zusätzliche Felder oder Lagerebenen können eine wirtschaftliche Möglichkeit sein, die vorhandene Anlage weiter zu nutzen.
Eine Erweiterung darf jedoch nicht nur nach dem verfügbaren Platz beurteilt werden. Ständerlast, Armlast, Lastschwerpunkt, Systemkompatibilität, Verankerung und die zukünftige Nutzung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Wer bereits bei der ersten Planung mögliche Erweiterungen einbezieht, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass sich die Kragarmregalanlage später flexibel an einen steigenden oder veränderten Lagerbedarf anpassen lässt.